Freizügigkeitskonto vs. Freizügigkeitsdepot: Der Leitfaden für Schweizer Arbeitnehmer

Freizügigkeitskonto vs. Freizügigkeitsdepot: Der Leitfaden für Schweizer Arbeitnehmer

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28-11-2025
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Sie haben die 45-Jahre-Marke überschritten und der Ruhestand rückt näher. Die Zeiten, in denen man sich riskante Wetten auf die zweite Säule erlauben konnte, sind vorbei. Die Verwaltung der Vorsorgegelder wird zu einer Priorität, die auf Sicherheit und Optimierung ausgerichtet ist.

Wenn Sie einen Arbeitgeber verlassen, ohne sofort eine neue Stelle anzutreten, oder in anderen spezifischen Situationen, wird Ihr Vorsorgekapital (BVG) an eine Freizügigkeitseinrichtung überwiesen. Genau in diesem Moment stellt sich die oft verwirrende Frage der Wahl: Sollte man sich für ein Freizügigkeitskonto oder ein Freizügigkeitsdepot entscheiden?

Diese Wahl ist keineswegs unbedeutend, denn sie hat direkte Auswirkungen auf das Wachstum, die Sicherheit und die zukünftige Besteuerung Ihres Kapitals. Als Arbeitnehmer über 45 in der Schweiz ist es entscheidend, eine vorsichtige, aber fundierte Strategie zu wählen. Wir werden die entscheidenden Unterschiede zwischen diesen beiden Optionen analysieren, damit Sie eine Entscheidung treffen können, die Ihre letzten Sparjahre bestmöglich absichert.

Rückblick auf die Grundlagen der Freizügigkeit in der Schweiz

Was ist eine Freizügigkeitsleistung?

Die Freizügigkeitsleistung (oder das Freizügigkeitsguthaben) stellt das Vermögen dar, das Sie bei Ihrer Pensionskasse (berufliche Vorsorge, 2. Säule) angespart haben und das frei wird, wenn Sie eine Vorsorgeeinrichtung verlassen, ohne es sofort in eine neue Kasse einbringen zu können. Diese Situation tritt beispielsweise bei einem Stellenwechsel auf, wenn der Übertrag nicht nahtlos erfolgt, bei einer vorübergehenden Erwerbspause oder wenn Sie sich selbstständig machen.

Die Rolle der Freizügigkeitseinrichtungen

Freizügigkeitsguthaben müssen bei einer Freizügigkeitseinrichtung platziert werden. Dies kann eine Bankenstiftung oder eine Versicherungsgesellschaft sein. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, dieses Kapital ausserhalb einer aktiven Pensionskasse zu verwalten und es unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen (BVG) gewinnbringend anzulegen. Diese Einrichtungen bieten die zwei wichtigsten Anlageinstrumente an, die uns hier interessieren: das Konto oder das Depot.

Freizügigkeitskonto: Sicherheit und garantierter Zins

Wie funktioniert das Freizügigkeitskonto?

Das Freizügigkeitskonto ist die klassischste und sicherste Lösung. Es funktioniert nach dem Modell eines herkömmlichen Banksparkontos, unterliegt jedoch den Regeln der beruflichen Vorsorge:

  • Maximale Sicherheit: Das investierte Kapital ist vollständig gesichert und durch die Einrichtung geschützt. Es unterliegt keinem Marktrisiko.
  • Feste Verzinsung: Die Rendite ergibt sich aus einem Zinssatz, der in der Regel von der Einrichtung garantiert wird, ähnlich wie bei einem Sparkonto.

Vor- und Nachteile des Kontos

Für Arbeitnehmer, die sich dem Ruhestand nähern, bietet das Konto einen grossen Vorteil: maximale Sicherheit. Wenn Ihr Anlagehorizont kurz ist (weniger als fünf Jahre bis zur Auszahlung des Guthabens), garantiert das Konto, dass Ihr Kapital nicht durch einen möglichen Einbruch der Finanzmärkte kurz vor Ihrer Pensionierung beeinträchtigt wird.

Der Hauptnachteil liegt im geringen Renditepotenzial. Bei oft bescheidenen Zinssätzen wächst das Kapital langsam, und seine Kaufkraft kann durch die Inflation geschmälert werden. Es ermöglicht nicht, ein mögliches Vorsorgedefizit "aufzuholen".

Freizügigkeitsdepot: Renditechancen und Risiken

Wie funktioniert das Freizügigkeitsdepot?

Das Freizügigkeitsdepot (oder Wertschriftendepot) ist ein Anlageinstrument, das es ermöglicht, Ihr Guthaben in Wertschriftenfonds wie Aktien, Obligationen oder andere kollektive Kapitalanlagen zu investieren.

  • Erhöhtes Renditepotenzial: Durch die Investition in die Finanzmärkte kann das Kapital Renditen erzielen, die deutlich über denen eines einfachen Bankkontos liegen.
  • Marktrisiko: Im Gegensatz zum Konto ist das Kapital nicht garantiert. Es ist Marktschwankungen ausgesetzt, was ein Verlustrisiko birgt. Die Einrichtungen müssen jedoch strenge regulatorische Anlagevorschriften einhalten (BVV 2).

Vor- und Nachteile des Depots

Für Personen über 45 bietet das Depot eine Möglichkeit zur Optimierung. Wenn Ihre 2. Säule eine Lücke aufweist und Ihr Zeithorizont es zulässt (mehr als 5 bis 7 Jahre), kann das Depot wesentliches Wachstum bieten.

Das Risiko ist jedoch der Hauptvorbehalt. Es wird dringend davon abgeraten, ein Depot zu wählen, wenn Sie planen, Ihr Guthaben in den nächsten Jahren zu verwenden – sei es für eine Frühpensionierung oder einen Immobilienkauf –, da eine Börsenkorrektur Ihr Kapital direkt beeinträchtigen könnte.

Vergleichstabelle: Konto vs. Depot

MerkmalFreizügigkeitskontoFreizügigkeitsdepot
KapitalsicherheitMaximal (Bankgarantie)Variiert je nach Fonds (Marktrisiko)
RenditezielNiedrig (fester Zinssatz)Hoch (Marktpotenzial)
AnlagehorizontKurz (weniger als 5 Jahre empfohlen)Mittel bis Lang (5 Jahre und mehr empfohlen)
RisikoniveauSehr geringModerat bis Hoch
VerwaltungEinfach (automatisch)Aktiv oder halb-aktiv (durch Fondsauswahl)

Welche Strategie ab 45 Jahren?

Für Arbeitnehmer über 45 in der Schweiz muss die Freizügigkeitsstrategie verfeinert und vorsichtig sein.

Die Bedeutung des Anlagehorizonts

Die verbleibende Zeit bis zur geplanten Verwendung des Kapitals ist der entscheidende Faktor.

  • Weniger als 5 Jahre: Die klügste Lösung ist das Freizügigkeitskonto. Die Priorität liegt auf der Sicherung des verbleibenden Kapitals, auch wenn die Rendite gering ist. Ein Markteinbruch so kurz vor der Pensionierung ist nicht mehr aufzuholen.
  • Zwischen 5 und 10 Jahren: Ein hybrider Ansatz ist denkbar. Ein Teil des Kapitals kann in ein Depot mit einem geringen Aktienanteil (risikoarme Vorsorgefonds, z. B. 25 % Aktien) investiert werden, um eine leichte Überrendite zu erzielen.
  • Mehr als 10 Jahre: Es ist immer noch möglich, moderate Risiken über ein Depot einzugehen (mit 40 % bis 60 % Aktien), vorausgesetzt, es wird eine Strategie zur schrittweisen Risikoreduzierung eingeführt.

Die schrittweise Risikoreduzierung

Die klügste Wahl ist eine dynamische Verwaltung: Implementieren Sie ein System der schrittweisen Risikoreduzierung (De-Risking). Dabei schichten Sie Ihr Kapital nach und nach von einem risikoreicheren Depot auf ein sicheres Konto um, je näher Sie dem Renteneintritt kommen. Diese Methode ermöglicht es, in den verbleibenden Jahren vom Wachstumspotenzial zu profitieren und gleichzeitig die erzielten Gewinne abzusichern.

Die Rolle der Flexibilität in Ihrer Planung

Es ist durchaus möglich und oft empfehlenswert, Ihr Guthaben auf mehrere Einrichtungen aufzuteilen (Splitting) und somit potenziell gleichzeitig ein Konto und ein Depot zu führen. Diese Diversifikation bietet maximale Flexibilität:

  1. Sie können den Teil, den Sie für einen Immobilienkauf (WEF-Vorbezug) verwenden möchten, auf einem sicheren Konto platzieren.
  2. Den Rest, der für die Rente bestimmt ist, können Sie in ein Depot investieren, um die Rendite zu optimieren.

Diese Modularität ermöglicht es, jeden Teil Ihres Kapitals präzise an dessen Ziel und Zeithorizont anzupassen.

Beherrschen Sie Ihre Vorsorge für finanzielle Gelassenheit

Die Wahl zwischen Freizügigkeitskonto und -depot ist eine strategische Entscheidung, die die Zukunft Ihrer Vorsorge beeinflusst. Ab 45 Jahren sollte sie von Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikotoleranz geleitet werden.

Indem Sie Klarheit und Vorsicht priorisieren, stellen Sie sicher, dass Ihre Freizügigkeitsguthaben optimal arbeiten und Ihnen die verdiente finanzielle Gelassenheit auf dem Weg zur Pensionierung bringen.